Lukas Joas im Interview



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Du bist einer der wenigen erfolgreichen deutschen Slopestyle-Profis gewesen, hast Dich aber schon relativ früh und ganz bewußt für die Filmschiene entschieden. Wie kam es zu der Entscheidung?

Ich war Teil des deutschen Nationalteams für vier Jahre und bin Weltcups, Europacups und viele internationale Contests mitgefahren. Wenn man die Contestschiene so intensiv betreibt, macht man eigentlich nichts anderes mehr. Ab Oktober steht dann die Vorbereitung auf den Gletschern an, man muß die Tricks reinbekommen, die man bei Contests zeigen möchte oder auch muß. Ich habe dann irgendwann gemerkt, daß Contestfahren nicht so mein Ding ist, weil ich an meine Grenzen gestoßen bin.
Ich habe mich irgendwann entschieden die Filmschiene einzuschlagen, was aber nicht unbedingt leichter ist, im Gegenteil, das ist viel schwerer. Als Teil des Nationalteams hatte ich feste Strukturen, alles wurde organisiert. Als Filmer muß ich mich um alles selber kümmern. Man braucht viel Unterstützung, man braucht andere Fahrer, die beim Schaufeln helfen und für Drehs zur Verfügung stehen, andere Filmer und immer auch das passende Wetter. Das ist jedesmal ein großer Aufwand, ich bin aber sehr happy damit, daß ich diesen Weg eingeschlagen habe.


Viele der Film- und Freeskiszene leben und arbeiten von Innsbruck aus. Du selber bist eigentlich immer dem Allgäu treu geblieben ...

Ja, das stimmt. Ich habe auch öfters überlegt weg zu ziehen. Besonders als ich noch Contests gefahren bin, war ich sowieso nie zu Hause. Schon für das Training war der Aufwand für mich sehr groß, weil ich hier im Allgäu nicht die Möglichkeit hatte zum Beispiel Kicker zu trainieren. Für mich ist und war es aber immer besonders schön, daß ich zu Hause wohnen konnte und auch daß ich mit meinen Freunden zu Hause Skifahren gehen konnte. Aktuell ist es für mich viel einfacher geworden, da ich viel in den Städten filme. Coole Handgeländer für Urbanski gibt es im Allgäu jede Menge und zum Powdern gehen kann man hier auch. Ein kleiner negativer Punkt ist, daß man wenig andere Fahrer und Filmer trifft, die einen auch supporten könnten. Mir geht es aber nicht so darum der bekannteste zu sein, der mit den meisten Klicks im Internet. Ich mache meine Sache, die mir Spaß macht, und das mache ich halt im Allgäu.


Du hast einige Videos und Edits im Crystal Ground produziert und bist dort selber oft am Fahren. Kann man sagen, das ist einer Deiner Lieblingsparks?

Ja, ich bin auch schon immer im Crystal Ground gefahren, auch als es noch den großen Fellhornpark gab. Für mich sind die Rails dort ideal zur Vorbereitung, auch für meine Street-Projekte. Nachdem es den großen Fellhornpark nicht mehr gegeben hat, haben die Jungs vom Crystal Ground super Arbeit geleistet und das Beste hergerichtet, was man dort machen kann. Die machen jedes Jahr einen richtig guten Job. Ich freue mich schon, wenn es dort wieder los geht.


Gibt es ein aktuelles, größeres Filmprojekt?

Ja, ich filme seit zwei Jahren an einem Urban-Projekt. Wahrscheinlich hat noch nie jemand was von mir in dem Bereich gesehen, denn ich möchte das erst heraus bringen, wenn ich zufrieden bin. Das war ich bisher noch nicht, aber ich hoffe im nächsten Sommer sind wir mit dem Film am Start.


Einen Ausblick in die Zukunft ...

Oh ... das ist immer schwierig!? Man kann die Sache nicht so planen. Ich versuche erst einmal meinen Urban-Part fertig zu filmen, was dann auch ein Teil meiner Karriere war. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das danach noch machen werde, denn das Verletzungsrisiko ist sehr hoch. Ich werde wohl mehr in das Powdern übergehen, was auch der normale Werdegang von einem Freeskier ist. Man startet im Park und wenn man älter wird, geht man mehr ins Backcountry. Das werde ich diese Saison schon anfangen und die nächsten Jahre ausbauen.


Wirst Du dem Allgäu treu bleiben?

Ich habe letzten Sommer drei Monate in Innsbruck gewohnt und bin viel unterwegs, in verschiedenen Städten. Ich muß sagen: ich könnte mir nicht vorstellen für längere Zeit in eine Stadt zu ziehen. Von daher werde ich dem Allgäu ziemlich sicher treu bleiben.